Landesgartenschau Würzburg 201812. April - 7. Oktober

Gartenschau

Aus dem Leben
einer
Honigbiene

Aus dem Leben einer Honigbiene


von: Dr. Rudolf Behl, Kreisverband der Imker Stadt und Landkreis Würzburg


»An 179 Tagen werden wir Honigbienen den Schmetterling bei seinen Flügen über die blühende Garten­schaulandschaft begleiten. Wussten Sie eigentlich, dass wir nach Rind und Schwein das drittwichtigste Haustier des Menschen sind? Durch unsere unermüdliche tägliche Arbeit als Massen­bestäuber garantieren wir den Menschen reichlich Obst und andere Feldfrüchte für ihre Ernährung. Ca. 80 % der heimischen Nutz- und Wildpflanzen brauchen uns emsige Honigbienen zur optimalen Bestäubung. Überall dort, wo wir bestäuben, sind laut diverser wissenschaftlicher Unter­­suchungen, die Erträge signifikant größer und die Qualität der Früchte signifikant besser.

Ohne uns und unsere wilden Ver­wandten gäbe es keine oder nur geringe Erträge an Äpfel, Birnen, Kirschen, Pflaumen, Erd­beeren, Blaubeeren, Zitrusfrüchte, Zwiebeln, Karotten, Sonnenblumen, Melonen, Kürbisse, um nur einige Früchte zu nennen. Der Preis für euren so geliebten Kaffee würde ins unermessliche ansteigen Auch müsstet ihr auf so wichtige essentielle Nährstoffe, wie u.a. Vitamin A, Vitamin C, Beta-Carotin und Folsäure, verzichten, die ihr für eine gesunde und ausgewogene Ernährung braucht. Nicht zuletzt müsstet ihr ohne uns Honigbienen auch auf die für Nutztiere weltweit wichtigste Futterpflanze, die Luzerne, verzichten.

In unserem kurzen Leben, als Sommerarbeiterinnen haben wir nur eine Lebenserwartung von ca. 6 Wochen, verrichten wir als Bestäuber der Welt Schwerstarbeit, um das Leben auf dieser Erde im Gleichgewicht zu halten und eure Ernährung zu sichern. Auch leisten wir einen unschätzbaren Beitrag für den Artenerhalt und die Artenzunahme der Wild- und Kultur­pflanzen. Nachdrücklich möchten wir betonen, dass wir und unsere wilde Verwandtschaft beim Sammeln von Nektar und Pollen die besuchten Pflanzen nicht zerstören oder auffressen. Wir geben ihnen sogar etwas zurück, indem wir die besuchten Blüten bestäuben, eine typische Win-Win-Situation, wie ihr gerne zu sagen pflegt.

Wir wollen nicht verschweigen, dass es uns und unseren wilden Verwandten schlecht geht. Die drastische Vernichtung unseres natürlichen Lebensraumes mit der für uns so essenziellen Artenvielfalt, der Einsatz von synthe­tischen Pflanzenschutzmitteln und Total­herbiziden, sowie Parasiten, wie die Varroa­milbe, setzen uns schwer zu. Seit ca. 3 Dekaden sinkt die Zahl der Bienenvölker vor allem in Europa und in Nordamerika. Aktuell stehen in Deutschland relativ zum Jahr 1990 weniger als halb so viele Bienen­völker zu Verfügung. In vielen Regionen Deutschlands können wir und unsere wilde Verwandtschaft eine flächen­deckende Bestäubungs­leistung nicht mehr garantieren. Wissenschaftler warnen, wenn die Hintergründe für den Rückgang der Artenvielfalt nicht auf­geklärt und eingeschränkt werden und Lebensräume für uns Bestäuber nicht wieder­hergestellt werden, dann steht in landwirtschaftlich intensiv genutzten Räumen eine Bestäuber­krise mit dramatischen Folgen für euch Menschen bevor.

Es gibt jedoch viele Maßnahmen diesem Trend entgegenzuwirken. Ihr Menschen müsstet es nur wollen. Im Wabenpavillon werden von der Imkerschaft Möglichkeiten aufgezeigt, uns und unseren  Ver­wandten hilfreich zur Seite zu stehen. So könnt ihr z.B. auf traditionelle Weise oder alternativ uns geeignete Behausungen zur Verfügung stellen und alles tun, dass wir als vitale und widerstandfähige Völker unsere wichtige Arbeit im Ökosystem leisten können. In Deutschland und speziell auch im Landkreis Würzburg solltet ihr eine Verdopplung der aktuellen Bienenvölkerdichte anstreben.

Aber auch derjenige von euch Menschen, der die Voraus­setzungen für eine imkerliche Tätigkeit nicht hat, kann uns fleißige Bestäuber unter­stützen – jeder kann helfen. Zusammen mit unserer wilden Verwandtschaft sind wir besonders glücklich, wenn Balkon­kästen, Privatgärten, Obst- und Gemüsegärten, ungenutzte Ackerflächen, kommunale und gewerbliche Freiflächen mit heimischen nektar- oder pollenreichen Pflanzen bepflanzt werden. Vom zeitigen Frühjahr bis in den Herbst hinein wünschen wir uns ein breites Arten-Spektrum an Blühpflanzen. Dies macht uns vitaler und widerstandsfähiger.

Wir Honigbienen freuen uns über eine er­freuliche Zunahme an Neuimkern seit ca. 10 Jahren. Die Bemühungen der Imkerverbände und insbesondere der Ortsvereine scheinen Früchte zu tragen. Gleichzeitig steigt auch wieder die Zahl der gehaltenen Bienen­völker. Zwar könnt ihr Menschen damit der Verlust der Vergangenheit bei weitem noch nicht aus­gleichen, aber ihr befindet euch auf dem richtigen Weg. Erfreulich ist zudem, dass die Imkerschaft in Deutschland jünger, weiblicher und politischer geworden ist.

Solltet ihr Interesse haben, einmal in die ungestörte faszinierende Welt im Innern eines Bienen­volkes hineinzublicken, dann könnt ihr dies im Iglu-Pavillon des HOBOS-Teams. Wir leben in einem hochspezialisierten Superorganismus. Auch wenn wir, von außen gesehen, in unseren Handlungen im Volk etwas unkoordiniert erscheinen, so weiß jede Biene in diesem  emsigen Gewimmel sehr genau, was sie zu tun hat: u.a. pflegen, putzen, füttern, bauen, heizen, kühlen, sammeln, bewachen.«